Frank Festas Zeitungskolumnen

Necroscope - denn der Tod ist nur der Anfang!

Oft werde ich gefragt, wer dieser Brian Lumley ist, der Autor der "ultimativen Vampirsaga" Necroscope. Und hole ich dann Luft und suche nach Worten, merke ich, dass es mir schwer fällt, eine einfache Antwort zu finden - das Phänomen Lumley ist wirklich zu komplex, um es in zwei Sätzen zu erklären.

Brian Lumley ist am 2. Dezember 1937 geboren, Engländer und einer der erfolgreichsten Dark Fantasy-Autoren der Welt. In der Schule war er nicht gut, obwohl er schon damals gerne und viel las, besonders Horror - auf Brians Äußerung, er wolle später Schriftsteller werden, erwiderte sein Lehrer einmal, er sei für ihn wohl besser, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Bergmann zu werden.

Nachdem er zum Wehrdienst einberufen worden war, entschied er sich bei der Royal Military Police zu bleiben. Nun kam er viel herum: Zypern, Griechenland, Amerika, Italien, Frankreich, Malta und Deutschland - hier bewachte er während des Kalten Krieges die Berliner Mauer. Die langen, einsamen Nächte auf Wache verbrachte er mit Lesen. Besonders H. P. Lovecrafts Kurzgeschichten gefielen ihm. Bald begann Brian selbst zu schreiben und hämmerte jahrelang die Art von Horrorgeschichten, die er so liebte, in seine Schreibmaschine. Er hoffte, eines Tages den Durchbruch zu schaffen und vom Schreiben leben zu können.

August Derleth, der große amerikanische Phantastik-Verleger war der Erste, der seine Erzählungen veröffentlichte. Diese frühen Storys wurden sehr von Lovecrafts Cthulhu-Mythos beeinflusst, und die Kritiker warfen Brian vor, er kopiere ja nur sein Vorbild.

Brian erzählt: "Sie riefen: Oh, Lumley könnte so gut sein, würde er endlich seine eigene Stimme finden. Sie realisierten nicht, dass ich zu der Zeit noch jung und in der Armee war. Und das erste, was ich tat, als ich die Armee verließ, war Psychomech zu schreiben. Kein Funken von Lovecraft. Es folgte Psychosphere, dann Psychamok! Dann House of Doors. Dann die Necroscope-Serie. Kein Zeichen von Lovecraft weit und breit. Auch jetzt, achtzehn Jahre später, kein bisschen Lovecraft in meinen Werken. Und doch höre ich immer noch den gleichen Vorwurf ... Verlegern gefielen meine frühen Bücher, und sie haben sie veröffentlicht. So schlecht können sie nicht gewesen sein - immerhin hat man mich dafür bezahlt. Ich erhielt Honorare aus der ganzen Welt. Ich hatte immer meine eigene Stimme!"

1984 wurde der Horrorthriller Psychomech veröffentlicht (er bildet mit Psychosphere und Psychamok eine Trilogie) und dieses Buch war der Startschuss für Brians Erfolg. Zur selben Zeit begann er mit der Niederschrift eines neuen Romans: Die makabren Abenteuer eines Heranwachsenden, der gegen außerirdische Vampire kämpft. Dank seiner telepathischen Kräfte spricht er mit Verstorbenen und erhält deren Hilfe. Der Name des Totenhorchers - Harry Keogh, der Necroscope.

Brian ahnte nicht, dass er damit den Grundstein zur erfolgreichsten Vampirserie der Welt gelegt hatte, die in viele Sprachen übersetzt und als Rollenspiel, Comic, PC-Spiel und Hörbuch aufgebreitet werden würde.

"Ich wollte Vampire darstellen, die ein bisschen mehr taten als bloß Blut zu saugen, wie in den anderen Romanen. Sie sollten ihre eigene Historie haben, eine Abstammung und einen verdammt guten Grund, warum sie noch nicht die ganze Welt beherrschten ... Das Thema packte mich, und umso mehr der Geschichte ich aufschrieb, desto mehr war zu erzählen."

Der Roman erschien 1986 und verkaufte sich so gut, das Brian eine Fortsetzung schreiben sollte, und noch eine und noch eine. "Ich brauchte für jedes Buch etwa sechs Monate ... Die Serie verkaufte sich wie verrückt. Gut, ich war kein Stephen King oder Dean Koontz, aber für einen Typ, der zweiundzwanzig Jahre treu im Dienst ihrer Majestät gestanden hatte, lief es gar nicht schlecht."

Die Serie umfasste schließlich dreizehn Taschenbücher, ein Buch wurde umfangreicher als das andere; manche bis zu achthundert Seiten in kleinster Schrift. Dies ließ die deutschen Verleger, die durchaus an der Vampir-Saga interessiert waren, zurückschrecken. Ein solch gewaltiger Umfang - der durch die Übertragung ins Deutsche noch anwachsen würde - bedeutet enorme Übersetzungs- und Druckkosten. Und keiner wusste, ob das deutsche Publikum Harry Keogh mögen würde.

Auch ich sah keine Möglichkeit, meinen alten Wunsch zu verwirklichen und die Necroscope-Serie zu verlegen. Erst als mein Bekannter Hannes Riffel von der UFO Buchhandlung in Berlin die Idee der Aufteilung äußerte, erkannte ich den Weg, auf dem es möglich war. Ich kaufte die deutschsprachigen Rechte ein, splittete den ersten Roman auf in Das Erwachen und Vampirblut und hoffte auf den Erfolg.

Und? - Ja, die Wamphyri bissen wirklich zu. Die Serie ist ein riesiger Erfolg. Amazon.de nannte Necroscope schon den "geheimen Bestseller". Der junge Hörbuchverlag LPL records kaufte jetzt die deutschen Vertonungsrechte ein - übrigens auch an meiner Reihe H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens. Das Ganze wird aufwendig produziert, mit den Synchronstimmen bekannter Hollywoodstars, also vom Feinsten, und kommt im Oktober in die Läden. Inzwischen ist im Festa Verlag der neunte Necroscope-Teil in Vorbereitung; insgesamt werden es circa dreißig werden - denn die Toten haben noch viel zu erzählen!

Frank Festa, aus Nautilus, das Magazin für Abenteuer-Literatur & Spiele Nr.16

 
 
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