Die Totenbeschwörer von Naat

Gesammelte Erzählungen Band 5

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Zothique und die Welt

von Barin 12. Juni 2018
Bewertung
Mit fast 600 Seiten ist dieser Band sehr dick.
Die ersten beiden Drittel enthalten alle Geschichten des Zyklus um Zothique, den letzten Kontinent auf der Erde in ihrer Endzeit unter einer sterbenden Sonne. Mit nicht weniger als 17 Geschichten über Zothique breitet Smith einen faszinierenden Bilderbogen aus, der aber keine apokalyptische Welt beschreibt. Vielmehr dient ihm dieser Hintergrund für ein phantastisches Reich, das mit unserer Welt kaum noch etwas zu tun hat.
Hier finden sich viele Menschen, die in der Postzivilisation vollkommen verroht sind und zu Magie und Aberglauben, vor allem zur Totenbeschwörung, zurückgefunden haben. Bemerkenswert ist aber auch die Anwesenheit vieler Gottheiten, die ihre Macht in der Zukunft wiedergefunden haben.
Viele dieser Geschichten würde ich als Märchen bezeichnen, faszinierend und spannend. Mit "Adomphas Garten" ist Smith auch eine bizarre Horrorgeschichte gelungen, die wirklich unheimlich ist. Die anderen Erzählungen enthalten hingegen nur wenig Horror; hier findet vor allem der Fan phantastischer Handlungen seine Freude. Vor allem "Das dunkle Götzenbild" und "Die letzte Hieroglyphe" finde ich sehr eigenwillig. Zothique ist es wert, bekannt zu werden.
Im letzten Drittel des Bandes finden sich gemischte Geschichten, von denen zwei zum Verlust eines Sternes beitrugen. "Die dritte Episode des Vathek" geht auf eine unvollendete Geschichte von William Beckford aus dem Jahre 1786 zurück, die Smith zu Ende führte. Mich stört daran die Selbstverständlichkeit, mit der hier zwei Geschwister um ihre inzestuöse Liebe kämpfen. Das stieß mich bei dieser doch ziemlich langen Geschichte ab. "Schizophrener Schöpfer" soll komisch sein, ist aber eigentlich nur eine Albernheit, die in mir eher Ärger über die verschwendete Zeit beim Lesen hervorrief. Und es sei auch erwähnt, daß ich es bedenklich finde, in der letzten Erzählung über die "schlimmsten Perversionen des Kubismus" herzuziehen. Man muß diese Kunstrichtung nicht mögen- sie als pervertiert zu bezeichnen, ist aber eine Entgleisung.
Ansonsten sind auch die gemischten Geschichten angenehm zu lesen. Gerade "Eine Sternenwandlung" fand ich sehr fesselnd, weil ihr Thema ein interessantes Gedankenexperiment darstellt.
Trotz der genannten Abstriche ist es ein gutes Buch. Mich überwältigt immer wieder die unerschöpfliche Phantasie von Smith. Wo nahm der Mann nur diese Masse von Ideen her? Horrorfans seien gewarnt: sie werden hier auf Horror weitgehend verzichten müssen und sich trotzdem bestens unterhalten fühlen!